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SinnkriseOktober · 8 Min

Warum du alles hast und trotzdem etwas fehlt: Die Sinnkrise in den 30ern

Von aussen ist alles da. Innen fühlt es sich aber nicht so an. Das ist kein persönliches Versagen, es hat einen nachvollziehbaren Grund.
Du sitzt am Sonntagabend auf dem Sofa und hättest allen Grund, zufrieden zu sein. Die Arbeit läuft. Du wohnst in einer schönen Wohnung. Die Menschen um dich herum sind da. Und trotzdem ist da eine Schwere auf der Brust, die du dir selbst nicht erklären kannst.
Es ist, als würde etwas fehlen. Aber was genau?
Wenn du das spürst, bist du definitiv nicht alleine damit!
Ich war lange in genau dieser Situation. Dabei habe ich mir ständig selbst gesagt: "Nina, gib dich zufrieden mit dem was du hast, denn es gibt Menschen, die haben nicht so ein schönes Leben wie du!" Und genau dieser Satz hat mich lange davon abgehalten, ins Handeln zu kommen. Bis mich mein Körper dazu zwang. Burnout und kompletter Stillstand.
Lange habe ich nicht verstanden, um was es hier eigentlich geht, bis mich mein Leben auf einen Weg geführt hat, der mir immer mehr Klarheit verschaffte.
In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich kennen viele Frauen diese innere Leere. Und es hat absolut nichts mit Undankbarkeit zu tun. Schon im frühen Kindsalter lernen wir, wie wir uns in dieser schnelllebigen, gut funktionierenden Welt zu verhalten haben. Wie wir hier überhaupt überleben können. Wir wachsen in einer leistungsorientierten Gesellschaft auf. Durch Schulnoten fangen wir schon früh an, uns mit anderen zu vergleichen und uns an Leistung zu messen. Das heisst nicht, dass Leistungsorientierung per se etwas Schlechtes ist. Es kann jedoch dazu führen, dass wir dadurch irgendwann selbst unseren eigenen goldenen Käfig bauen.
Wir rutschen also schon früh in diese Leistungsgesellschaft. Was heisst das aber genau und was hat das mit einer möglichen Sinnkrise zu tun?
Wie das bei mir war
Nach meinem Schulabschluss wusste ich mit meinen jungen 15 Jahren noch nicht so genau, was ich im Leben wollte. Ganz ehrlich, wer weiss das als Teenager schon? Zuerst dachte ich mir, wenn ich noch ein 10. Schuljahr in Genf auf Französisch anhänge, weiss ich mit 16 vielleicht ein bisschen mehr. Doch das war nicht der Fall. Ich stand also auch ein Jahr nach diesem Sprachaufenthalt da und wusste nicht so genau, was ich einmal werden will. Also habe ich mich für eine kaufmännische Lehre entschieden, weil mein Papa auch im Büro gearbeitet hatte.
Mit 19 Jahren habe ich die Lehre abgeschlossen und beschloss, mich in die Arbeitswelt zu begeben. Es schien für mich ein "normaler" Weg zu sein. Schliesslich machten alle um mich herum dasselbe. Sie gingen arbeiten, um Geld zu verdienen.
Ich rutschte in meine erste Festanstellung. Einige Jahre später in die nächste und irgendwann stand ich da mit einem Zertifikat als Eidg. HR Fachfrau. Meinen ganzen Lebenslauf baute ich mir danach auf, was gemäss Karriere am meisten Sinn machte. Durch die Tätigkeiten im HR konnte ich meinem Drang, Menschen zu helfen teilweise nachkommen und kombiniert mit meiner kaufmännischen Ausbildung und meinen Zertifikaten war auch hier dieser Job am naheliegendsten.
Aber irgendwann fragte ich mich: "Ist das wirklich schon alles? Sieht so mein Leben aus?"
Jedes Mal zog sich bei dieser Frage mein ganzer Körper zusammen. Aber weil ich keine Alternative kannte, machte ich einfach weiter.
Naja, mein Burnout zeigte mir dann, dass es genug ist. Und da fing es an! Es kamen so viele andere Fragen dazu, die mich absolut überforderten und auf die ich überhaupt keine Antwort hatte. Ich fühlte mich damals irgendwie allein, denn wer kann mir solche individuellen und persönlichen Fragen beantworten? Mir war damals klar, niemand anderes als ich selbst.
Ich war an dem Punkt, an dem du vielleicht heute auch gerade stehst. Innere Leere, viele Fragezeichen im Kopf und irgendwie schaute mein Leben so aus, als hätte ich es mit meinem Verstand aus Logik aufgebaut und nicht wirklich nach dem, wonach mein Herz sich sehnte.
Ich begab mich auf den Weg, um diese Fragen zu beantworten. Aber nicht nur das, sondern auch, um wieder Sinn in meinem Leben zu finden. Es war steinig, permanente Orientierungslosigkeit begleitete mich und es brauchte auf jeden Fall viel Zeit. Die gute Nachricht für dich an dieser Stelle ist: Du musst nicht alles für dich alleine herausfinden. Ich verrate dir hier und jetzt, warum es vielen Frauen in den Dreissigern so geht. Und was das fehlende Puzzlestück ist, damit wieder mehr Sinn im Leben entsteht.
Innere Werte vs. äussere Werte
Dir ist vielleicht bereits aufgefallen, dass es bei meinem Karriereweg hauptsächlich um äussere Werte ging. Wie mein Lebenslauf aussieht, was ich für einen Jobtitel habe, welches Zertifikat ich vorweisen kann, etc. Das Wesentliche fehlte dabei. Die inneren Werte!
Kurz erklärt, was innere Werte überhaupt sind. Im systemischen, werteorientierten Coaching nach dem St. Galler Coaching Modell® wird inneren Werten eine zentrale Bedeutung im Leben eines Menschen zugeschrieben. Denn ein Grundbedürfnis eines Menschen ist es, ein lebensWERTES Leben zu führen. Sich selbst als WERTvoll zu erleben. Zu spüren, dass es gut ist, dass man auf dieser Welt ist und auch WERTgeschätzt wird. Denn genau das ist das Fundament aller persönlichen Werte und verleiht dem Leben schlussendlich Sinn.
Untersuchungen zeigen, dass viele Menschen (wie ich es auch lange getan habe) ihr Leben auf Werte ausrichten, die im Aussen vorhanden sind. Beziehungsweise Werte, die erschaffen, aufgebaut, gemacht oder erlernt werden. Wie zum Beispiel Beruf, Beziehung, Kinder, Geld oder Wissen. Sie streben nach erworbenem sozialem Status, der jedoch vergänglich ist. Dabei wird oft vergessen, bewusst die inneren Werte wahrzunehmen (zum Beispiel Freude, Verbundenheit, Leichtigkeit, etc.). Denn schlussendlich streben wir Menschen nicht nach einem Wert an sich, sondern nach einem Gefühl, das der Wert uns gibt.
Während sich die Leistungsgesellschaft auf den äusseren Erfolg, auf die Leistung und den sozialen Status fokussiert, geht es beim Sinn des Lebens um die inneren Werte.
Der Kreislauf, in dem viele feststecken
Es gibt einen Kreislauf, in dem viele von uns feststecken. Wir haben ein Ziel, das wir erreichen wollen, weil wir im Hintergrund ein gewisses Gefühl damit bekommen wollen. Dieses Gefühl wollen wir bekommen, weil es sich gut anfühlt und wir es innerlich im Moment nicht verspüren. Das Problem ist, dass wir während unserer Kindheit, wie oben erwähnt, einige Dinge gelernt haben um in dieser Welt zu überleben. In der Sprache der Lehrerin zum Beispiel: "Du bist nicht gut genug, wenn du keine gute Schulnote schreibst!". Aber entspricht das wirklich der Wahrheit? Ist nicht jeder Mensch gleich WERTvoll, ganz egal wie viel er leistet oder eben nicht leistet?
Werden solche Erfahrungen oder Sätze immer wiederholt, wird das in einem inneren System ganz unbewusst abgespeichert. Es ist wie ein Film, der sich ständig im Hintergrund wiederholt - und das dann eben auch im Erwachsenenalter. Zurück zu deinem Ziel. Du stehst also da, hast dir etwas vorgenommen, was du erreichen willst. Weil du ein gewisses Gefühl dahinter spüren möchtest. Tief in dir drin läuft dieser Satz: "Ich bin nur WERTvoll, wenn ich leiste." Also zeigst du, was du drauf hast, leistest und stellst vielleicht sogar noch deine eigenen Bedürfnisse zurück. Das Verrückte ist, dass es funktioniert. Denn du bekommst dann Lob, eine Beförderung, Anerkennung oder was auch immer es in deinem Leben ist. Die Leistungsgesellschaft sagt dir: "Gut gemacht, weiter so!" Doch in dir drin passiert etwas anderes. Das, wonach du dich eigentlich sehnst, bleibt leer: gesehen zu werden, Leichtigkeit, Freude, Verbundenheit. Also denkst du: "Vielleicht hält dieses kurzfristige Gefühl von Anerkennung beim nächsten Ziel länger an." Oder schlimmer: "Mit mir stimmt etwas nicht. Ich sollte doch dankbar sein." Und somit ist der Kreislauf in vollem Gange. Das geht so lange, bis du an einen Punkt kommst, an dem dein Körper die Reissleine zieht oder idealerweise schon vorher, wo du auf einmal alles in Frage stellst.
Eine Sinnkrise ist nichts Schlechtes. Sie bietet dir die Chance für einen Unterbruch dieses Kreislaufes und einen Richtungswechsel.
Warum passiert das bei vielen in den Dreissigern?
In den Dreissigern haben viele Frauen genau das erreicht, wofür sie jahrelang gearbeitet haben. Sei es für die Karriere, materielle Dinge oder auch Beziehungen. Die Liste ist sozusagen abgehakt. Und plötzlich stehen sie an einem Punkt, bei dem sie merken: "All das hat mir zwar kurzzeitig Freude oder Erfolg gebracht, aber nicht wirklich Erfüllung."
Die Sinnkrise ist kein Zeichen, dass du etwas falsch gemacht hast. Du hast alles richtig gemacht. Nur hast du dabei nicht nach deinen eigenen Spielregeln gespielt, sondern nach denen der Leistungsgesellschaft. Hinter dieser "Rolle der Leistenden" steckt fast immer ein tieferer innerer Wert. Wie ich vorhin erwähnt habe, wollen wir uns gut fühlen, WERTvoll fühlen. Vielleicht wolltest du damals in der Schule einfach nur zu den guten Schülern gehören, nicht von anderen abgelehnt werden, Anerkennung von deinen Eltern oder der Lehrerin bekommen. Leistung war damals die Strategie, um dir genau das zu ermöglichen. Du bist in der Zwischenzeit aber erwachsen geworden und diese Strategie hat dich dabei begleitet. Das Problem ist, dass heute äusserer Erfolg durch diese erlernte Strategie diesen inneren Wert beziehungsweise das Gefühl, wonach du dich sehnst, nie ganz nähren kann.
Der Weg aus diesem Kreislauf
Du bist vielleicht bereits an einem Punkt, wo du dir einige Fragen stellst oder auch schon den Sinn deines Lebens hinterfragst. Wie kann man also diesen Kreislauf unterbrechen, ohne das, was man aufgebaut hat, komplett über den Haufen zu werfen? Die Antwort liegt bei den inneren Werten. Denn die innere Gefühlswelt können wir selbst beeinflussen. Folgende Schritte helfen dir dabei, erst einmal bewusst zu machen, was dich im Kreislauf hält.
  1. Erkenne, welcher Wert hinter deinem Leisten steckt. Was willst du eigentlich spüren, wenn du dich so anstrengst?
  2. Erinnere dich: Wann hast du diesen Wert schon einmal erlebt, ohne dass du etwas dafür leisten musstest? Diese Momente gibt es, und sie sind deine Ressource.
  3. Verankere einen neuen inneren Satz: "Ich bin WERTvoll, so wie ich bin, und aus dieser Fülle heraus gestalte ich mein Leben." Werde dir bewusst, dass wir alle gleich WERTvoll geboren wurden.
  4. Handle aus deinem Wert heraus, statt um ihn zu kämpfen. Stelle dir vor, wie du dieses Gefühl bereits in dir trägst und handle daraus, nicht umgekehrt. Du wählst Ziele bewusst, setzt Grenzen, erlaubst dir, unperfekt zu sein, usw. Durch Wiederholung überschreibst du das, was du als Kind gelernt hast und was dir heute nicht mehr dient.
So entsteht ein neuer Kreislauf. Deine inneren Werte werden genährt, du spürst Sinn statt nur Erfolg, und das bestätigt dich wiederum in deinem neuen Grundgefühl. Dabei geht es nicht darum, dass Leistung verschwindet. Sie bekommt nur ihren richtigen Platz und entsteht nicht mehr aus Druck. Sie entsteht als Ausdruck von dir selbst, was sich nährend anfühlt, nicht als Kompensation für ein Gefühl.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Ich weiss, wie überfordernd alle diese Fragen in einer Sinnkrise sein können. Auch weiss ich, wie lange es ohne Unterstützung dauert, solche inneren Muster, Rollen und Konditionierungen zu verändern. Genau deshalb begleite ich heute Frauen in einem 10-wöchigen Coaching dabei, ihre inneren Werte wieder zu spüren. So, dass ihr Leben nicht nur von aussen gut aussieht, sondern sich auch von innen wieder WERTvoll und somit auch SINNvoll anfühlt.
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkannt hast, dann ist das vielleicht der erste Schritt raus aus der Leere.
Du musst nicht wissen, wohin dein Weg führt, und du musst ihn nicht alleine finden. In einem kostenlosen 15-minütigen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst und wie ich dich auf deinem Weg zurück zu einem Leben begleiten kann, das nicht nur gut von Aussen aussieht, sondern sich auch gut anfühlt.
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